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11.10.2015, 06:00 Uhr  //  Sportlerportrait

Kevin Beech: „Ich wusste nichts von meinen deutschen Wurzeln"

Kevin Beech: „Ich wusste nichts von meinen deutschen Wurzeln
 MG (Bild) cs (Text) // hlsports.de


Timmendorfer Strand – Es war der Transferknaller beim EHC Timmendorfer Strand, einen Tag vor dem Saisonstart zur laufenden Oberliga-Saison. Mit Kevin Beech wurde ein Goalie verpflichtet, der in jungen Jahren auf den Zetteln der NHL-Scouts stand, im letzten Jahr in der Oberliga Süd starke Leistungen brachte und eigentlich so gar nicht ein Spieler ist, den man in Timmendorfer Strand vermuten würde. Wer ist dieser Mann, der im kanadischen Brantford geboren wurde, einen deutschen Pass besitzt und nun am Strand sein zu Hause gefunden hat?

Wenn man die sportliche Vita von Kevin Beech liest, muss man zweimal hinschauen und stellt sich dann die Frage,  wie jemand wie er den Weg nach Deutschland findet. Er spielte bei den Sudbury Wolves in der OHL, einer der drei großen Nachwuchsligen Kanadas und wurde schon als Teenager von den NHL-Scouts entdeckt. 2005 wurde er im NHL-Draft, der großen Nachwuchsbörse in Nordamerika, von den Tampa Bay Lightning gezogen. „Mit dem Draft wurde ein Traum war“, erzählt Beech, der auch eigentlich gut in das Abenteuer Profieishockey startete: „Die ersten beiden Jahre waren wirklich gut. Ich bekam Spiele bei den Springfield Falcons, dem Farmteam der Lightning in der AHL, und wurde dann 2009 in der CHL als bester Goalie ausgezeichnet. Ich fühlte, dass ich auf dem richigen Weg war, um eine Chance in der NHL zu bekommen.“

Doch Hüftprobleme machten dem mittlerweile 29-jährigen zu schaffen, eine Operation im Sommer 2010 war unumgänglich. „Du musst eine Menge Dinge richtig machen, wenn du es in die NHL schaffen willst. Es ist schließlich die beste Liga der Welt. Ich möchte nicht sagen, dass ich es auf jeden Fall geschafft hätte, aber die Verletzung hat mir die Chance endgültig genommen“, sagt Beech im Rückblick und gibt sich in Bezug auf seine Verletzung realistisch: „Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um mich wieder richtig wohl und fit zu fühlen.

2012 kam dann der große Umbruch in seinem (Eishockey-) Leben. Beech wechselte nach Europa. Der Grund waren die Vertragsstreitigkeiten in der NHL mit dem anschließenden Ausschluss der Spieler durch die Clubbesitzer. Denn eigentlich sollte er in der ECHL spielen, doch kurz vor Beginn des Trainingcamps meldete sich ein alter Teamkollege bei Beech und fragte ihn, ob er sich vorstellen könnte, in Paris zu spielen. „Ich hatte einen Tag Zeit, mich zu entscheiden, und normalerweise hätte ich es nicht gemacht. Doch durch den Lockout wären viele Spieler in Nordamerika entlassen oder durch die Weltgeschichte geschickt worden“, berichtet Beech, so dass seine Entscheidung dann doch eine einfache war: „Ich wollte den Mist vermeiden, also ergriff ich die Chance, nach Europa zu gehen.“

Neuilly-sur-Marne, östlich von Paris, wurde seine neue Heimat, und es war ein echter Kulturschock, den Beech dort erlebte. Und er gibt unumwunden zu, dass es für ihn mitunter schwierig war. „Die Sprachbarriere war da“, berichtet der Goalie: „Ich war der einzige englische Muttersprachler in meinem Team und in der ganzen Stadt sprach keiner Englisch, Ich brauchte meine Zeit, um mich wohl zu fühlen.“
Auch in Sachen Eishockey war vieles anders: „In Nordamerika kümmern sich mehrere hauptamtliche Trainer um dich, die Umkleidekabinen haben NHL-Format mit allen Annehmlichkeiten. Das war, neben dem Spiel an sich, eine echte Umstellung.“
Beech stellte sich aber darauf ein und konnte auch sofort sportlich überzeugen. Mit den „Les Bisons“ erreichte er in der zweiten französischen Liga zweimal die Playoffs und vor allem die Fans haben es ihm angetan: „Rund um das Eishockey sind die Fans das Beste in Europa. Sie geben alles für den Sport und ihr Team. Die Atmosphäre ist großartig, vor allem in den kleinen Hallen.“

Speziell die deutschen Fans haben es ihm angetan, wie Beech berichtet. Deutschland, das ist die Heimat seines Großvaters und auch seine Mutter, wenn auch in Kanada geboren, hat einen deutschen Pass, so dass auch der erwachsene Kevin im Sommer 2014 einen deutschen Pass bekam. Die Wurzeln seiner Familie waren allerdings lange kein Thema in der Familie: „Bis zum April 2014 wusste ich nicht mal, dass ich deutsche Wurzeln habe. Meine Mutter wusste nicht, dass sie zwei Pässe besitzt, da mein Großvater die deutsche Staatsbürgerschaft aufgab.“ Beech begab sich auf Spurensuche und konnte sich so sicher sein, dass er ein Anrecht auf einen deutschen Pass hat. Diesen bekam er im September letzten Jahres.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Eishockey-Saison im Land seiner Vorfahren schon begonnen und so musste er warten, bis aus Verletzungsgründen ein Platz frei werden würde. Oberliga-Aufsteiger ERC Sonthofen gab ihm die Chance, und Beech wusste sie zu nutzen. Sogar beim damaligen Kooperationspartner Ravensburg durfte er mittrainieren, ein Einsatz in der DEL2 blieb ihm aber verwehrt. Dennoch wusste Beech zu überzeugen und hatte seinen Anteil am Klassenerhalt der Bullen. „Kleine Halle, kleiner Ort, aber großartige Fans“, schwärmt er: „Ich hab die Zeit genossen.“

Im Sommer versuchte Beech dann einen Platz in der DEL 2 zu finden – ohne Erfolg. Zum Glück für Timmendorf, denn so schaute er sich in der Oberliga um und kam an den Strand, ungeachtet der Tatsache, dass man das große Geld nicht beim EHCT verdienen kann. „Das war mir nicht so wichtig, da ich im Sommer einige Goalie-Camps gebe und dort junge Spieler trainiere“, meint Beech: „Wichtiger ist, dass ich spielen und zeigen kann, was ich auf dem Eis so drauf habe.“
Dass dies keine hohlen Phrasen sind, kann man an der Tatsache erkennen, dass der neue Timmendorfer Goalie im Sommer einen Monat mit den Beach Boys trainierte, ohne zu wissen, ob er einen Vertrag bekommt.

„Ambitioniert“ - so beschreibt Beech sich selbst, aber so sind auch seine Ziele mit dem EHCT: „Ich will mit der Mannschaft in die Playoffs! Ich weiß, dass wir einen langsamen Start hatten, aber seit wir unser eigenes Eis haben, können wir endlich gut trainieren. Wir können auch nur stärker werden!“

Da hat sich jemand was vorgenommen. Und mit seiner Leistung bei seinem ersten Einsatz in Leipzig geht der Torhüter voran. Was den Privatmann Kevin Beech umtreibt, erfahrt ihr in unserem HL-SPORTS-Fragebogen.

Name:  Kevin Beech

Geburtstag: 23.09.1986

Geburtsort: Brantford, Ontario, Kanada

Größe: 1,94m

Gewicht: 84kg

Position: Goalie

Trikotnummer: #1

Verein: EHC Timmendorfer Strand 06

Ehemalige Vereine: Sudbury Wolves, Erie Otters, Springfield Falcons, Laredo Bucks, Youngstown Steelhounds, Mississippi RiverKings, Corpus Christi IceRays, Texas Brahmas, Wichita Thunder, Rio Grande Valley Killer Bees, Fort Wayne Komets, Hunstville Havoc, Neuilly-sur-Marne, ERC Sonthofen

Privat mache/ bin ich gerne: Stand Up Comedy, Konzertbesuche

Lieblingsessen: Erdnussbutter

Lieblingsgetränk: Schokoladenmilch

Lieblingsmusik: Rock, Indie, Country, 80er

Lieblingsfilm: Zoolander

Lieblingsort: Huntington Beach in Kalifornien

Haustiere: keine

Meine Vorbilder in der Jugend: mein großer Bruder

Mein schönstes Erlebnis im Sport: Playoff-Spiele in der Overtime gewinnen

Ich möchte mit meinem Team und auch persönlich in Zukunft folgendes erreichen: Playoffs erreichen

Ich spiele am liebsten in und warum: Budweiser Gardens, Heimstätte des OHL-Teams London Knights

Trainingsmotto: I believe in preparation!

Wo ich gerne mal spielen möchte: Für die Montreal Canadians im Bell Centre

Ich habe eine(n) Freund(in) (Ja oder Nein): nein (lacht)


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