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15.08.2019, 13:30 Uhr  //  Sportlerportrait

Kambiz Tafazoli: „Ich wusste nicht mehr wo vorne und hinten ist“

Kambiz Tafazoli: „Ich wusste nicht mehr wo vorne und hinten ist“
 © Lobeca/Michael Raasch (Bild) cs (Text) // www.hlsports.de


Lübeck - Als unser heutiger Sportler am 25. Mai diesen Jahres sein letztes Spiel als Fußballer absolvierte, war der Bahnhof groß. Obwohl beim ATSV Stockelsdorf als Abwehrchef auf dem Platz aktiv, wurde er vor allem seinen ehemaligen Kollegen des TSV Siems mit Fußballgott- und Legende-Plakaten in die wohlverdiente Rente verabschiedet. Dem Fußball bleibt Kambiz Tafazoli aber erhalten – es geht einfach nicht ohne das runde Leder.

Der große Bahnhof bei seinem letzten Spiel hat den 37-Jährigen doch überrascht. „Ich habe viele Nachrichten bekommen, alle waren durchweg positiv“, freute sich Tafazoli über viel Zuspruch aktueller wie auch ehemaliger Weggefährten. Stellvertretend steht dafür ein Instagram-Kommentar von Jonas Jacobsen, heute Kapitän bei Landesligist Lübecker SC: „Es war mir eine Ehre, von dir zu lernen Capitano!“

Kapitän, Leader – dies war Tafazoli in letzten Jahren fast immer. Auch die Tatsache, dass sich seine Rolle auf dem Feld mit reiferem Fußballalter veränderte, tat dem keinen Abbruch. Wie viele vor ihm wanderte er von vorne nach hinten. In diesem Fall landete der zentrale Mittelfeldspieler als Chef in der Viererkette oder gab den Libero. Viel wichtiger war aber, was Tafazoli vorlebte: bedingungslosen Einsatz mit Respekt vor Mitspielern, Gegnern und Schiedsrichtern. „Du kannst dich mit den Leuten fetzen. Du kannst anderer Meinung sein und du kannst Dinge anders sehen. Das ist und das muss auch so sein“, befindet der gebürtige Lübecker, um dann hinzuzufügen: „Nach dem Spiel ist aber auch gut. Du fährst runter, gibst dem Anderen die Hand und dann kann man danach ruhig und sachlich diskutieren. Schiedsrichter Boris Hoffmann ist so ein Paradebeispiel. Auf dem Platz hätte ich mich immer mit ihm anlegen können, aber nach dem Spiel war es dann meist gut und wir konnten uns in die Augen sehen.“ Dies vorzuleben, ist für Tafazoli eine Herzensangelenheit.
 
Bis dahin war es aber ein langer Weg. Die Initialzündung zu seiner Fußballerkarriere kam 1990 – mit dem deutschen Siegeszug bei der WM. „Da spielte ich zwar schon in Dornbreite, aber ab diesem Zeitpunkt war ich dem Fußball-Virus endgültig verfallen“, so Tafazoli lachend. Und am Steinrader Damm lief es für ihn gut. Er durchlief alle Jugendmannschaften und debütierte schon mit 17 Jahren für die erste Mannschaft in der Verbandsliga. „Das werde ich nie vergessen“, blickt Tafazoli zurück: „Bei einem Freistoß hat mich unser damaliger Torwart Klaus Petzold so gefaltet, dass ich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist.“ Dennoch hat KT gute Erinnerungen an seinen ersten Einsatz für den FCD. Schließlich gab es einen Sieg in Kropp. Und nach dem Ende seiner Jugendzeit im Jahr 2000 blieb er Dornbreite treu.
 
Allerdings war die Herren-Zeit am Steinrader Damm nicht nur golden. Eine schwere Knöchelverletzung setzte Tafazoli für ein halbes Jahr außer Gefecht, im Anschluss fand er nur schwer den Anschluss. Schließlich ging es zu Strand 08, um einen Neuanfang zu starten. So wirklich „zuhause“ wurde er in Ostholstein aber nicht, so dass das Intermezzo vergleichsweise kurz war. 2009 ging Tafazoli dann zum TSV Siems und bezeichnet den Krummen Weg als seine „Heimat“ - Dornbreite und Schalke hin oder her. Sieben Jahre verbrachte er mit dem TSV in Verbands- und Kreisliga. Im Gedächtnis blieb das dramatische Ende seiner Premieren-Saison. Mit einem 1:0 beim WSV Tangstedt sicherte sich Siems damals den Klassenerhalt: „Das war wirklich der Hammer!“ Auch in Siems wurde Tafazoli Führungsspieler und Kapitän, war Integrationsfigur für die „Neuen“ und hält dem TSV bis heute die Treue – wenngleich er seine letzten aktiven Jahre woanders verbrachte.
 Denn das Auseinanderbrechen der Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 konnte auch der Capitano nicht verhindern. Über die Begleitumstände redet Kambiz Tafazoli daher auch nur ungerne. Dass es aber nicht das sportliche Ende sein sollte, war für ihn klar.
So folgte sein Wechsel zum ATSV Stockelsdorf – was aber eher dem Zufall und seinem Wohnort (eben Stodo) geschuldet war. „Wir hatten in Siems einen zugezogenen Spieler, Ronny Stoecker. Der wusste nicht wohin, weil er ja keinen kannte. So sind wir zusammen zum ATSV-Training und sind dann dort geblieben“, beschreibt Tafazoli die Zeit nach dem Siems-Aus. Und so schnürte er die Buffer für den ATSV, bis er selbige im letzten Mai an den Nagel hing.
 
Dass er dem Fußball im Allgemeinen und Siems im Speziellen verbunden blieb, ist sicherlich die „Mitschuld“ von seinem heutigen Co-Trainer Thorsten Wagenzink. „Thoschi“ überredete den Männer-Kapitän im Sommer 2013 die Frauen zu übernehmen. Die hatten zu Saisonbeginn keinen Coach mehr. So wirklich wollte Tafazoli nicht mehr, doch „Thoschi“ ließ nicht locker und so übernahm er die Sommervorbereitung. Aus dem auf wenige Wochen angelegten Projekt wurde dann eine Erfolgsgeschichte mit zwei Verbandsliga-Titeln, Kreispokalsiegen und der Etablierung in der Oberliga. Doch gerade der Anfang war nicht einfach. „Erst wollten die Mädels mich gar nicht als Trainer“, weiß der Erfolgscoach zu berichten: „Dann war ich auf einem Lehrgang, bei dem man sich auch sprachlich auf die Frauen vorbereiten sollte. Danach wollte ich dann gar nicht mehr, weil ich mich nicht verstellen wollte und nicht darauf achten wollte, ob Frauen oder Männer vor mir stehen.“ Doch er blieb und ist bis heute der Häuptling seiner Mädels heute.
 
Dass die Siemser Frauen der Anfang und auch das Ende seiner Trainerkarriere, das glaubt Tafazoli nicht. „Im Moment bin ich hier sehr glücklich und es macht enorm viel Spaß“, beschreibt er sein Gefühl: „Aber klar, irgendwann will und werde ich auch im Männerbereich trainieren.“ Seine Ambitionen sind da ungebrochen: „Ich will soviel wie möglich erreichen, von daher wird es wohl eher keine Mannschaft in der Kreisklasse oder Kreisliga. Nichts gegen die typischen Freizeitkicker, aber das wäre auf Dauer nichts für mich.“ Bis es aber soweit ist, zieht Kambiz Tafazoli bei den Siemser Frauen die Fäden. Vielleicht stellt sich da im kommenden Saison der ganz große Erfolg ein, schließlich gilt die TSV-Mannschaft als heißer Anwärter auf den Titel.

Bis es aber soweit ist, fließt noch viel Wasser die Trave hinunter. Und bis dahin könnt ihr im Fragebogen noch mehr über KT81 erfahren.

Name: Kambiz Tafazoli
Geburtstag: 03.10.1981
Geburtsort: Lübeck
Größe: 1,73
Gewicht: 90
Position: Trainer
Trikotnummer: KT
Verein: TSV Siems
Ehemalige Vereine: FC Dornbreite, Strand 08, TSV Siems, ATSV Stockelsdorf
Privat mache/ bin ich gerne: am Strand
Lieblingsessen: Pasta
Lieblingsgetränk: Cuba Libre
Lieblingsmusik: Querbeet
Lieblingsfilm: Fast and the furious
Lieblingsort: Zuhause
Haustiere: Katzen
Meine Vorbilder in der Jugend: Lionel Messi, Uwe Prüßmann
Mein schönstes Erlebnis im Sport: Klassenerhalt mit dem TSV Siems am letzten Spieltag der Verbandsliga
Ich möchte mit meinem Team und auch persönlich in Zukunft folgendes erreichen: Den Maximalen Erfolg holen
Trainingsmotto: Wer am Meisten tunnelt, gewinnt.
Wen ich gerne mal trainieren möchte: Ich fühl mich aktuell sehr wohl
Ich habe eine(n) Freund(in) (Ja oder Nein): ja

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